PLASTIK ALS UMWELTPROBLEM!
plastic planet merkblatt„Überall auf der Erde werden Menschen in Zukunft Plastik vorfinden, denn Plastik verrottet nicht.“ Charles Moore, Algalita Marine Research Foundation


Es gibt zwar einen steigenden Prozentsatz bei der Wiederverwertung von Kunststoffen, aber absolut werden weiterhin nur geringe Mengen recycelt – bei gleichzeitig immer mehr neuem Plastikmüll. Von den jährlich erzeugten 14 Millionen Tonnen Styropor wird beispielsweise nur ein Prozent recycelt.

Um die Problematik zu erfassen, die Plastikmüll für uns und unseren Planeten bedeutet, reicht es schon, einen Blick auf einen der offensichtlich maßgeblichsten Gegenstände des modernen Lebens zu werfen: die Plastiktüte. Jährlich werden 600 Milliarden Plastikbeutel hergestellt und weggeworfen. Es gibt nur wenige und meist auch nur halbherzige Versuche, etwas gegen diese maß- und eben auch sinnlose Verschwendung von Ressourcen und vorprogrammierte Umweltverschmutzung zu unternehmen. Bangladesch hat als erster Staat der Welt 2002 Plastiktüten verboten. Die australische und die chinesische Regierung kündigten 2008 an, dass sie Plastiktüten verbieten wollen. Im pazifischen Staat Palau müssen Reisende, die mit einer Tüte erwischt werden, einen Dollar Strafe zahlen. Noch strenger gehen die Behörden auf Sansibar vor: Wer dort Plastiktüten einführt oder verteilt, zahlt bis zu 1560 Euro. Auch die Vereinigten Arabischen Emirate verkündeten ein Verbot für Plastiktüten ab 2013, nicht zuletzt inspiriert durch PLASTIC PLANET, der auf dem Internationalen Filmfestival von Abu Dahbi gezeigt wurde. Wenige Tage nach der Filmvorführung wurde die zuständige Behörde aktiv und bot Werner Boote überdies eine Beraterfunktion im "Board for Sustainability" an.

In Europa hat Irland mit einer Sacksteuer den Verbrauch um 95 Prozent gesenkt. Australien, Kanada, Neuseeland, den Philippinen, Taiwan, England und Frankreich existieren Pläne für die Abschaffung oder Besteuerung von Plastiktüten.

Doch im Grunde sind diese kleinen Tütchen nur die Spitze des Eisbergs. Insgesamt 80 Prozent des Kunststoffmülls, die UNO spricht von weltweit jährlich rund 6 Millionen Tonnen, gelangen über Flüsse in die Ozeane. Die Meeresschutzorganisation Oceana schätzt, dass weltweit jede Stunde rund 675 Tonnen Müll direkt ins Meer geworfen werden, die Hälfte davon ist aus Plastik. Laut einer Studie des Umweltprogramms der Vereinten Nationen (UNEP) treiben bis zu 18.000 Plastikteile in jedem Quadratkilometer der Weltozeane.

267 verschiedene Tierarten fallen weitweit nachweislich dem Müll im Meer zum Opfer, das heißt, dass viele verschiedene Arten Plastikmüll essen und jeweils mindestens ein Tier daran stirbt – darunter Schildkröten, Robben, Fische und Krebse. Jährlich verenden etwa 100.000 Meeressäuger qualvoll durch den Müll. Über eine Million Seevögel, wie zum Beispiel Albatrosse, die die Plastikteile irrtümlich als Nahrung zu sich nehmen und damit ihre Küken füttern, sterben an Plastik.*
*Quelle: Greenpeace

An jedem Strand der Weltmeere ist Plastik zu finden – diverser Kunststoffmüll und Pellets. Plastik baut sich nicht ab wie ein natürlicher Rohstoff. Wenn sich Kunststoffe doch schneller als bislang vermutet zersetzen sollten – wie eine jüngst veröffentlichte japanische Studie* feststellt – heißt das leider vor allem, dass dadurch die enthaltenen Giftstoffe freigesetzt werden. So oder so besteht der Sand an den Stränden unserer Küsten bereits zu einem gewissen Prozentsatz aus Kunststoff.
*Quelle: Katsuhiko Saido, Nihon University, Chiba, Japan, 08/09 vor der The American Chemical Society vorgestellt.

Südöstlich von Hawaii hat sich in der im Uhrzeigersinn drehenden Meeresströmung des Pazifiks ein gigantischer Müllwirbel gebildet, in dessen Zentrum drei Millionen Tonnen Plastikmüll rotieren. Er wächst seit 60 Jahren unbeachtet und ist nach Einschätzung von Wissenschaftlern doppelt so groß wie der US-Bundesstaat Texas. Dieses Gebiet nennt sich das North Pacific Gyre. Unter Einwirkung von Sonne, Gezeiten, Wind und Wellen wird der Plastikmüll bis zu winzigen Partikeln zerrieben. In mehreren weiteren Wirbeln im Südpazifik, im Atlantik und im Indischen Ozean fahren ebenfalls Abfälle Karussell, wenngleich in etwas geringeren Mengen. Wissenschaftler vermuten, dass dieser Plastikmüll gefährliche Umweltgifte wie DDT oder PCB wie „ein Schwamm aufsaugt”. Forscher der Universität Tokio haben an der Oberfläche von Pellets Giftkonzentrationen gefunden, die bis zu einer Million Mal höher sind als das sie umgebende Wasser. Über die Nahrungskette reichern sich diese Gifte auch in Fischen an, die wiederum auf unseren Tellern landen. Selbst wenn die Menschheit morgen damit aufhören würde, Plastik zu produzieren - die vielen Millionen Tonnen, die bislang in die Ozeane gelangt sind, werden noch Jahrhunderten mit den Strömungen um die Welt treiben.